DIE KUNG-FU NONNEN AUS NEPAL
Kathmandu. 200 junge Nonnen, welche in einem Kloster auf einem Berg in Nepal wohnen, zeigen eine neue Dimension ganzheitlichen Wohlbefindens. Und dies als Resultat eines glücklichen Zufalls!
Jeden Morgen um 3.00 Uhr steht Rupa, eine junge 17-jährige Nonne, auf, um zum Gebet ins Kloster zu gehen. Trotz nur fünf Stunden Schlaf fühlt sie sich in Topform und wartet ungeduldig auf den Kung-Fu-Unterricht, der zwei Stunden später beginnt. Kung-Fu gebe ihr Energie, Wachsamkeit und weit mehr Selbstvertrauen, als sie es mit 15 Jahren hatte.

Wie Rupa praktizieren 200 Nonnen des Klosters Druk Gawa Khilwa jeden Morgen (und manchmal auch nachts) diese alte chinesische Kampfkunst auf dem Gipfel des Berges Druk Amitabha in Kathmandu. Auf Stufe 6 (von 16 grundlegenden Niveaus im Kung Fu) beherrschen diese Nonnen ebenso die Kunst, sich vor der "grossen bösen Welt" zu schützen, wie aufrecht sechs Stunden in Meditation zu sitzen .

"Ich neigte dazu, sehr krumm zu sitzen, bevor ich Kung Fu kennenlernte, aber jetzt kann ich so lange wie nötig aufrecht bleiben", sagte Lama Zesaid, 17-jährig, die von Himachal Pradesh stammt.

"Kung Fu lehrt uns, unsere Energie zu kanalisieren und mit positiver Einstellung durchs Leben zu gehen."

Kung Fu Kämpferinnen
Es ist nur durch einen Zufall, dass Kung Fu im Kloster Khilwa eingeführt worden ist.

Bei einem Besuch in Vietnam beobachtete Seine Heiligkeit Gyalwang Drukpa, geistiges Oberhaupt der Drukpa Linie, wie Nonnen Kung Fu in ihrem Kloster übten. Ihm wurde gesagt, dass dies den Nonnen besseres Konzentrationsvermögen und mehr Selbstvertrauen verleihe.
Da erinnerte er sich, dass einige Nonnen im Kloster Khilwa Angst hatten, ins Tal hinabzusteigen, weil sie manchmal mit Steinen beworfen oder sogar angegriffen wurden.

"Es gibt erhebliche Risiken von Entführungen oder Anschlägen in dieser Region", bestätigt Lin Chiang, der für die öffentlichen Kommunikation zuständig ist.

"Die Erkenntnis, dass Kung Fu als eine Kunst der Selbstverteidigung erlernt werden kann, hat Seine Heiligkeit dazu bewogen, einige der vietnamesischen Nonnen nach Kathmandu einzuladen, um dort zu unterrichten."
 

Körper, Geist und Seele
Gekleidet in ihren dunkelbraunen Uniformen bieten die Kung-Fu  Nonnen einen erstaunlichen Anblick. Ihre fließenden, koordinierten und unglaublich schnellen Bewegungen sind spektakulär.

In Khilwa wird die Kampfkunst nur Nonnen unter 25 Jahren gelehrt. "Denn man muss sehr beweglich und geschmeidig sein, um etwas so Intensives wie den Kung Fu zu lernen", erklärt ihr Lehrer, Lama Chantwona. "Das einzige Problem, das bei uns bisher aufgetreten ist, ist die Sprache. Ansonsten sind alle Mädchen sehr motiviert und haben während der letzten zwei Jahre regelmäßig geübt."

Seine Heiligkeit sagte, er habe sehr schnell einen radikalen Unterschied bemerkt. "Kung Fu hat meine Nonnen glücklicher gemacht und ihnen ist es seither auf körperlich und geistiger Ebene wohler."

Die Idee Seiner Heiligkeit kommt in Nepal sehr positiv an: Seitdem er den Klosteralltag entsprechend umstrukturiert hat, entscheiden sich viel mehr Frauen für ein Leben als Nonne. Sein Konzept inspiriert auch andere Klöster. Bald sollen an mehreren Orten Kung-Fu-Nonnen ausgebildet werden.

Nonnen des Klosters sagen: "Kung Fu lehrt uns nicht nur Selbstverteidigung, sondern hilft uns auch bei der Entwicklung wichtiger geistiger, sozialer, emotionaler Fähigkeiten wie z.B. Auswendiglernen, Konzentration, Disziplin, Selbstvertrauen, Ausdauer, Respekt für andere und gesunde Lebensgewohnheiten."




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